
Häuser Award 2007

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CHRISTO - DER REICHSTAG
Der Reichstag in
Berlin steht für viele Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Er
wurde von 1884 bis 1894 unter Kaiser Wilhelm II für das Kaiserreich
erbaut. 1918 wurde vom Reichstag aus die Republik ausgerufen und 15
Jahre später, 1933, war der Reichstagsbrand der Vorwand für die Nationalsozialisten,
auf die Kommunisten Jagt zu machen. 1945 hisste ein Soldat der roten
Armee die Fahne mit Hammer und Sichel vor dem Reichstag als Symbol für
den Schlußstrich unter das "Tausendjährige Reich". Die Idee, den Reichstag
zu verhüllen, kam Christo 1971. Ein Freund aus Berlin schickte ihm eine
Postkarte des Reichstags mit dem Vorschlag, diesen zu verhüllen. Die
Idee stammt also ursprünglich gar nicht von ihm, er nimmt den Vorschlag
aber an. Die Planungen begannen und man hoffte damals auf die Verwirklichung
dieses Projekts im Frühling/Sommer 1973. Die Absicht, die dahinter steckt,
mit der Verhüllung auf den Reichstag aufmerksam zu machen, war 1972
die Ost-West-Beziehung. Christo hat durch seine Flucht aus Bulgarien
noch eine tiefe Verbindung zum Eisernen Vorhang. Außerdem hat er schon
seit 1958 Beziehungen zur deutschen Kunst- und Kulturszene gehabt.

Sein erstgeplantes
Projekt für Berlin war nämlich ein "running fence" entlang der Berliner
Mauer, was jedoch scheiterte. Im Frühjahr 1972 waren die ersten Zeichnungen
fertig, doch die Politiker, besonders die CDU, stellten sich radikal
gegen das Projekt. Sie sahen in der Verhüllung des Reichstags eine Verletzung
des bedeutendsten historischen Symbols Deutschlands. Helmut Kohl holte
sich in seiner Regierungszeit den Rat von Kunstprofessoren. Diese jedoch
betrachten Christos Kunst als illegitim, weshalb auch Kohl gegen dieses
Projekt stimmte. Wolfgang Schäuble meint, dass er Christos Kunst grundsätzlich
sehr schätze.
Seine Projekte seien
Experimente, aber mit dem Reichstag, der nicht irgendein Gebäude sei,
solle man keine Experimente machen. Rita Süssmuth dagegen war eine große
Befürworterin der Verhüllung. Ihrer Meinung nach gebe Christo der Öffentlichkeit
damit einen Anstoß, sich überhaupt mit diesem Gebäude auseinanderzusetzen.
Die Regierung äußerte auch Bedenken wegen eines unkontrollierbaren Menschenauflaufs,
aber ist so ein wichtiges öffentliches Gebäude nicht dazu da, Menschenmassen
anzuziehen? fragt Christo. Seit der Wiedervereinigung ist Christos Absicht,
mit der Verhüllung des Reichstags auf die Ost-West-Beziehungen und den
Eisernen Vorhang aufmerksam zu machen, ja weitgehend hinfällig geworden.
Dieses und die Engstirnigkeit
der Politiker halten ihn aber nicht von seinem Vorhaben ab, im Gegenteil,
die Wiedervereinigung gibt Christo Hoffnungen, dass seine Verhüllung
jetzt vielleicht doch noch genehmigt wird. Christo gibt im allgemeinen
nämlich nicht so schnell auf, denn er besitzt die Grundvoraussetzungen,
die er für seine Arbeiten in hohem Maße braucht: äußerste planerische
Intelligenz, größte Zähigkeit und ungewöhnliche Überzeugungskraft. Bis
zur endgültigen Zustimmung des Bundestags zur Verhüllung des Reichstags
vergingen seit der Idee 1971 nunmehr 23 Jahre. Am 25. Februar 1994 stimmten
die Abgeordneten ganz knapp mit 292 Ja-Stimmen, 223 Gegenstimmen und
neun Enthaltungen für die Verhüllung des Berliner Reichstags. Für dieses
Ergebnis hatten Christo und Jeanne-Claude lange gekämpft. Allein in
den Zwölf Monaten vor der Abstimmung hatten die beiden rund 250 Gesprächstermine
in Bonn. Die Kosten für die Verhüllung des Reichstags belaufen sich
auf etwa 8,5 bis 12 Millionen Mark. Christo wird jedoch, wie bei allen
seinen Projekten, finanziell nicht unterstützt. Er beschafft das Geld
indem er seine Zeichnungen, Collagen und Modelle verkauft.
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